Allgemein

Watch this: “Umarme das Mädchen in dir”

Bärbel Kerber 6. Dezember 2011

Eve Ensler spricht in einem bewegenden Vortrag von ihren Begegnungen mit Mädchen und Frauen rund um den Globus. Was ihr dabei besonders bewusst wurde, so erzählt sie:  Mädchen würden auf der ganzen Welt darauf gedrillt werden, “zu gefallen” und sich dadurch in ihrem Ausdruck zurücknehmen.

Wir bringen sie zum Schweigen. Wir bringen sie dazu, sich für ihr Klugsein schuldig zu fühlen. Wir bringen sie dazu, sich zu benehmen, sich zu mäßigen, nicht zu intensiv zu sein. Wir verkaufen sie, töten sie als Embryos. Wir versklaven sie. Wir vergewaltigen sie. Wir sind so daran gewöhnt, Mädchen des Anspruchs zu berauben, Protagonistinnen ihres eigenen Lebens zu sein dass wir sie inzwischen tatsächlich zu Objekten gemacht und sie in Waren verwandelt haben.

Die Rede ist zudem ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, all das, was an Verwundbarkeit und Mitgefühl, Emotionalität, Stärke und Weichheit in uns ist, zu leben anstatt zu unterdrücken. Dabei richtet sich Ensler ganz explizit auch an Männer. Watch it.

off topic – Zum Tod der Spontanität

Bärbel Kerber 30. November 2011

Wir haben es gründlich verlernt, mit dem Angebot des Moments umzugehen. Alles wird geplant, in Gedanken vorweggenommen, um dann möglichst routiniert abgespult zu werden. Das gilt als Leistung. Und per Handy, Digitalkamera, Facebook und Twitter wird sogleich noch jeder Augenblick dokumentiert. Doch

“wer sein Erleben eintauscht gegen das Anfertigen einer Erzählung, verpasst sie”.

Ein schönes Plädoyer für das Erleben des Augenblicks fern von “digitalen Mätzchen”, hier >>.

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Foto by photocase.com

Sehr geehrter Herr Dr. Burda

Bärbel Kerber 23. November 2011

Bushido, bekannt für  homophobe und frauenfeindliche Texte, wurde am 10.November mit dem “Bambi für Integration” ausgezeichnet, was zumindest noch im Vorfeld kurz für Unverständnis und Empörung sorgte. Bei der Preisverleihung selbst aber klatschte das Publikum brav Beifall. Umso wichtiger scheint diese Aktion des Journalistinnenbunds: Ihre Vorsitzende schrieb Hubert Burda nun einen Brief, der noch einmal kurz, knapp und sehr präzise ausdrückt, worin das Problem liegt.

“Die eigentliche Provokation dieser Auszeichnung liegt nicht in der Person des Musikers – sondern in Ihrer Entscheidung, mit der Sie „das respektvolle Miteinander“ (Pressetext-Begründung) in dieser Gesellschaft verhöhnen.”

Eine Antwort blieb bisher aus.

Lesenswert auch dieser taz-Artikel zum Thema: “Bambi fürs Geschäftsmodell”.

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Fotoquelle: Hubert Burda Media

Was wollt ihr eigentlich?

Bärbel Kerber 15. November 2011

Im Oktober fand das “Barcamp Frauen” in Berlin statt.  Spannendes Konzept, interessante Themen, heterogene TeilnehmerInnen. Verpasst. Sehr schade. “Was wollt ihr eigentlich?” wurde auf dem “Barcamp Frauen” mottogetreu diskutiert. Es gab verschiedenste Lebensentwürfe, Ansichten und immer wieder die Frage: wie schaffe ich das eigentlich – Beruf und Kind?

Als kleiner Trost hier ein schöner Abriß in diesem Artikel dazu: “Wir sind total wischiwaschi.”

Streit um ein neues Kinderbuch

Bärbel Kerber 3. November 2011

“Maggie goes on a Diet” (Maggie macht eine Diät) ist ein brandneues Buch, das für die Zielgruppe der 6 – 12Jährigen gedacht ist.

Über die verkehrten Signale, die Medien, Castingshows und Regenbogenpresse heutzutage verstärkt an junge Frauen senden, wurde nicht nur an dieser Stelle schon öfters geschrieben. Dieses Buch ist ein weiterer, trauriger Beweis dafür, wie schon im Kindesalter Mädchen eingetrichtert wird, dass Schönheit und ein Traumgewicht die wichtigsten Ziele im bevorstehenden Leben seien. Die Geschichte in dem Buch erzählt von einem Mädchen, das wegen ihres Übergewichts gemobbt wird. Erst als sie gehörig abgenommen hat, ist sie beliebt und glücklich.

Das Buch hat bereits vor Erscheinen in den USA und in Großbritannien kontroverse Reaktionen angestoßen. Der Buchautor, Paul Kramer, versteht die Aufregung nicht ganz: “My intentions were just to write a story to entice and to have children feel better about themselves, discover a new way of eating, learn to do exercise, try to emulate Maggie and learn from Maggie’s experience,” verteidigt Kramer seine Absichten.

Übergewicht bei Kindern ist sicher ein ernstzunehmendes Thema. Doch wenn wie hier, die Diät als Allheilmittel aufgezeigt wird, birgt es Gefahren. “Highlighting imperfections in a boy’s or girl’s body does not empower a child to adopt good eating habits,” sagt Joanne Ikeda, eine Ernährungsexpertin, zu dem Buch. “Body dissatisfaction is a major risk for eating disorders in children all the way up through adulthood.”

Am Ende geht es auch um die Frage: Wie früh wollen wir Kinder ungeschützt unseren heutigen Schönheitsidealen aussetzen?

Ungeliebte Quote

Bärbel Kerber 20. Oktober 2011

Interessant, was Technik-Studentinnen über die Quote denken:

“73 Prozent denken, dass eine gesetzliche Quote die Stellung der Frau im technischen Beruf negativ beeinflussen könnte“.

Dies ergab eine Befragung von 200 Studentinnen an acht technischen Fachhochschulen und vier Technischen Universitäten in  Österreich. Anscheinend machen sie sich Sorgen, man würde bei einer gesetzlichen Quote an ihrer Qualifikation zweifeln.

Spielbergs Frauenbild und Frankreichs “Mademoiselle”

Bärbel Kerber 11. Oktober 2011

Juliette Binoche erzählt in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau, warum sie Steven Spielbergs Rollen ablehnt:

“Spielberg dreht vor allem Kriegs- und Agenten-Filme und solche Sachen. Zwar tauchen darin auch Frauen auf, aber die Geschichte ist immer um den männlichen Helden aufgebaut und die Frau ergänzt ihn nur. Das ist mir zu platt. Wie damals, als die mich fragten, für diesen Tom-Cruise-Film… Wie hieß er noch gleich?”

„Mission Impossible“?

“Genau, irgendsowas. Ich sollte darin natürlich die Böse spielen. Grrrh! Eine hinterhältige, französische Geheimagentin! (lacht) Also wirklich, das war für meinen Geschmack zu stereotyp. … Ich sagte sofort: Das spiele ich auf keinen Fall. Ich habe keine Lust auf solche blödsinnigen Stereotype.”

Eine kluge Frau mit Prinzipien, diese Madame Binoche. Die Schauspielerin ist aktuell mit “Die Liebesfälscher” im Kino zu sehen. A propos “Madame”…

… Ein Sexismus ganz anderer Art herrscht in Frankreichs Amtsstuben: Noch heute unterscheidet die französische Bürokratie in ihren Formularen zwischen Mann, Frau, Fräulein, anstatt zwischen männlich und weiblich. Immer wieder, und neu auch wieder momentan, kämpfen Frankreichs Frauen für die Abschaffung der Mademoiselle. Denn: “Fräulein ist kein Geschlecht.”

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Bildquelle: “Osez le féminisme”

Von Machofrauen und müden Männern

Bärbel Kerber 28. September 2011

“Feminismus ist immer talkshowtauglich: Unterhaltsamer Streit ist garantiert.”… dachten sich die Macher von “Menschen bei Maischberger” wohl in der Vorbereitung zur vergangenen Sendung. Wenn auch wenig Tiefe erkennbar war und nur altbekannte Klischees bedient wurden: die Rechnung ging auf, denn unterhaltsam war es allemal.

Einziger Erkenntnisgewinn der Sendung:

“Das ist womöglich die Pointe des Feminismus dieser Tage: Die tonangebenden Mütter der Nation, von denen die Schwarzer eben eine der wichtigsten ist, haben ziemlich selbstbewusste Töchter, die vor deren Macht nicht mehr kuschen. Lady Bitch Ray sprach von “Power-Vaginen”, die in der Runde säßen – und sie war die erfrischendste von ihnen.”

Frauen als Deko. Alles wie immer auf der IAA.

Bärbel Kerber 20. September 2011

Warum eigentlich nicht mal was anderes wagen, liebe Autobauer? Ein intelligenter und moderner Messestand sieht anders aus. Hierzu findet sich ein herrlicher Beitrag von Spiegel-Online.

“Frauen posen, Männer putzen.” Lustig, interessant, denkwürdig.

“Viele Mütter kümmern sich lieber nur um Kind und Haushalt”

Bärbel Kerber 15. September 2011

Hoppla, ist das wirklich so? Was ist mit all den ambitionierten Frauen passiert, mag man sich fragen, die sich erst noch engagiert und ganz selbstverständlich ihren beruflichen Zielen verschrieben? “Frauen, die nicht arbeiten, sind zufriedener mit ihrem Leben als erwerbstätige Frauen. Und Eltern, die beide gleichermaßen arbeiten und sich um Kind und Haushalt kümmern, sind unzufriedener als solche, die traditionellen Rollenmustern mit einem männlichen Hauptverdiener folgen,” schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel und stützt ihre Analyse auf eine Studie des Roman-Herzog-Instituts, die sich der Frage widmet: “Wie viel Familie verträgt die moderne Gesellschaft?”

Überrascht? Viele kennen zahlreiche Gegenbeispiele aus ihrem Umfeld, wissen von Frauen, die sich auf den Tag im Büro freuen, auf ihre Aufgaben im Beruf und die bekennen, dass ihnen Zuhause den ganzen Tag mit dem Kind die Decke auf den Kopf käme. Zu Recht kommen da also Zweifel auf. Und wer aufmerksam weiterliest, erkennt dass es nur die halbe Wahrheit ist. Denn bei der Ursachenanalyse zeigt sich, was die gleichberechtigte Doppel-Verdiener-Familie unzufrieden macht. Die Autoren der Studie fanden heraus, es sei nach wie vor einfacher, traditionellen Rollenmustern zu folgen. “Es ist zwar mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert für Frauen, Karriere zu machen. Aber als Mann lange Elternzeit zu nehmen oder Teilzeit zu nehmen, wird noch nicht so sehr akzeptiert”, so die Familienökonomin Susanne Seyda.

Es liegt also vor allem an der Doppelbelastung von Beruf und Haushalt, die viele Mütter müde abwinken lässt. So liest man weiter in dem Artikel der Süddeutschen: “Der “Organisationsstress”, Kinderbetreuung, die Arbeitszeit beider Elternteile und die Familienzeit zu koordinieren, trifft Frauen nach wie vor stärker als Männer. Drei Viertel aller Mütter bewältigen den größeren Teil von Erziehung und Hausarbeit, auch bei den Vollzeitberufstätigen ist es mehr als die Hälfte. Unzufrieden seien viele erwerbstätige Frauen womöglich auch deshalb, weil sie sich bei Bildung und Einkommen nicht mehr nur mit Frauen, sondern mit Männern und deren oft höheren Einkommen vergleichen.”

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Foto: Alevgenex via stock.xchng

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