Bärbel Kerber 15. September 2011
Hoppla, ist das wirklich so? Was ist mit all den ambitionierten Frauen passiert, mag man sich fragen, die sich erst noch engagiert und ganz selbstverständlich ihren beruflichen Zielen verschrieben? “Frauen, die nicht arbeiten, sind zufriedener mit ihrem Leben als erwerbstätige Frauen. Und Eltern, die beide gleichermaßen arbeiten und sich um Kind und Haushalt kümmern, sind unzufriedener als solche, die traditionellen Rollenmustern mit einem männlichen Hauptverdiener folgen,” schreibt die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel und stützt ihre Analyse auf eine Studie des Roman-Herzog-Instituts, die sich der Frage widmet: “Wie viel Familie verträgt die moderne Gesellschaft?”
Überrascht? Viele kennen zahlreiche Gegenbeispiele aus ihrem Umfeld, wissen von Frauen, die sich auf den Tag im Büro freuen, auf ihre Aufgaben im Beruf und die bekennen, dass ihnen Zuhause den ganzen Tag mit dem Kind die Decke auf den Kopf käme. Zu Recht kommen da also Zweifel auf. Und wer aufmerksam weiterliest, erkennt dass es nur die halbe Wahrheit ist. Denn bei der Ursachenanalyse zeigt sich, was die gleichberechtigte Doppel-Verdiener-Familie unzufrieden macht. Die Autoren der Studie fanden heraus, es sei nach wie vor einfacher, traditionellen Rollenmustern zu folgen. “Es ist zwar mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert für Frauen, Karriere zu machen. Aber als Mann lange Elternzeit zu nehmen oder Teilzeit zu nehmen, wird noch nicht so sehr akzeptiert”, so die Familienökonomin Susanne Seyda.
Es liegt also vor allem an der Doppelbelastung von Beruf und Haushalt, die viele Mütter müde abwinken lässt. So liest man weiter in dem Artikel der Süddeutschen: “Der “Organisationsstress”, Kinderbetreuung, die Arbeitszeit beider Elternteile und die Familienzeit zu koordinieren, trifft Frauen nach wie vor stärker als Männer. Drei Viertel aller Mütter bewältigen den größeren Teil von Erziehung und Hausarbeit, auch bei den Vollzeitberufstätigen ist es mehr als die Hälfte. Unzufrieden seien viele erwerbstätige Frauen womöglich auch deshalb, weil sie sich bei Bildung und Einkommen nicht mehr nur mit Frauen, sondern mit Männern und deren oft höheren Einkommen vergleichen.”
—————–
Foto: Alevgenex via stock.xchng